Sensorik unter der Haut - ein Interview mit Patrick Paumen

Aktuell haben mehrere hundert Menschen in Deutschland einen Chip unter der Haut. Er öffnet Türen oder hilft beim einloggen am Laptop. Wie fühlt es sich an, Chips unter der Haut zu tragen? Ein Interview mit Cyborg Patrick Paumen klärt auf.

Kurz zu dir Patrick, leg mal los!

Hi Steffen, ich bin 33 Jahre alt (1984), aus Heerlen, Niederlande. Mitgründer vom Hackerspace "ACKspace". Ich hab ein paar Videos auf YouTube hochgeladen. Hier zeige ich verschiedene Zwecke für die RFID Implantate. Das gibt einen guten Überblick über die Funktion von meinen Implantaten.

1) Aber wie bist du auf Chips gestoßen?

Ich besuche Hacker Konferenzen seit 2001. Beim 27. Chaos Communication Congress, Dezember 2010 in Berlin, wurde ein Vortrag gehalten von Biohacker Lepht Anonym. Der Vortrag "Cybernetics for the masses" hat mich so begeistert, inspiriert und neugierig gemacht, dass ich entschieden habe das auch zu machen. Beim Vortrag hat Lepht von Magnet Implantate in die Fingerspitzen gesprochen, um von kurze Distanz magnetische und elektromagnetische Felder zu spüren. Auch hat Lepht von RFID Chip Implantate erzählt, um einfacher mit Elektronik zu kommunizieren.


2) Bist du selbst auch ein sogenannter Maschinenmensch?

Momentan hab ich nur 5 Neodymium Magnete und 7 RFID Chip Implantate unter die Haut, aber bald kommen noch 2 Chips dazu. Ich trage verschiedene RFID Chip Implantate, weil es auch bei dieser Technik verschiedene RFID Frequenzen, Protokolle und Applikationen gibt. Hersteller verwenden diverse Protokolle, genau so wie auch Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen.

3) Weißt du was Patrick, ich hab Bock auf einen Chip. Wie kann ich diesen im Alltag einsetzen und wo welche implantieren lassen?

Einige Chip Implantate verwende ich täglich, um verschiedene Türen Zuhause und im Büro zu öffnen. Jetzt muss ich mir keine Sorgen mehr machen, dass ich Schlüssel oder Zutrittskarten vergessen habe oder dass diese gestohlen werden. Ich muss mir auch nicht mehr die Mühe machen, um in die Hosentasche zu greifen und den richtigen Schlüssel für jede Tür zu suchen. Ich verwende auch ein Implantat, um mich am Laptop einzuloggen, der Vorteil hierbei ist, dass bei mir keiner über die Schulter mitlesen kann, welches Passwort ich eintippe. Zu deiner Frage, wo du ein Implantat besorgen kannst: Implantate können entweder bei Piercing Studios, auf Messen wie z.B. CeBIT in Hannover oder sogar vor Ort implantiert werden. Es ist möglich ein komplettes Implantationskit im Internet beim Hersteller Dangerous Things aus der USA oder beim Händler Digiwell aus Hamburg zu bestellen. Bei Dangerousthings wird auch eine Karte angezeigt, wo implantiert werden kann. Steffen, Digiwell macht sogar Hausbesuche - also auf geht's!

4) Was mich noch interessiert, wie können diese Chips im Gesundheitswesen & Medizin in Zukunft angewendet werden?

Es gibt bereits Biohacker, die deren Medizinische Daten aufs Implantat hinterlegt haben. Das sind Daten wie z.B. Allergien, Blutgruppe, Medikamente, usw. Einer meiner 7 RFID Chip Implantate hat sogar einen Temperatursensor. Wenn der Chip vom Lesegerät ausgelesen wird, werden aktuelle Temperatur im Display angezeigt. Wahrscheinlich kommen in Zukunft auch Implantate, die jede paar Minuten den Blutzuckerspiegel nachmessen, dass wäre ideal für Diabetiker. Weißt du Steffen, das große Problem ist jedoch, dass die RFID Chip Implantate passiv sind. Es steckt keine Batterie drin. Für Elektronik ist Strom notwendig, sonst funktioniert der Chip nicht. Wenn eine Batterie leer ist, müsste das Implantat auch wieder ausgetauscht werden und das ist nicht erwünscht.


5) Nutzt du deine Implantate eigentlich auch für Smartphone und Apps?

Um mein Android Smartphone mit dem Implantat zu entsperren, verwende ich die App "TapUnlock". Bei neueren Android OS Betriebssystemen ist diese Funktion integriert. Die Funktion heißt SmartLock. Um Daten, wie z.B. die Visitenkarte auf meine Implantate zu hinterlegen, verwende ich die "NXP TagWriter" App. Anstatt sich nur mit Benutzername und Kennwort einzuloggen, bei Diensten wie Facebook, Google, Twitter, usw. hab ich meine Konten auch so geschützt, dass ein Einmalkennwort zur Authentifizierung gefragt wird. Normalerweise wird dieses per SMS zum Handy geschickt, aber SMS Nachrichten sind nicht verschlüsselt.

Für mehr Sicherheit, hab ich deswegen ein Prototyp vom VivoKey Implantat im Unterarm. Hierbei verwende ich die App "VivoKey OTP", um das gefragte Einmalkennwort zu generieren, das ich beim einloggen eingeben muss. Das VivoKey Implantat verwende ich auch für PGP (Pretty Good Privacy). Für mehr Privatsphäre und Sicherheit kann ich E-Mails und Dateien mit dem VivoKey Implantat verschlüsseln. Wenn mir jemand eine verschlüsselte E-Mail oder Datei schickt, kann die nur gelesen werden, wenn sie mit dem Implantat entschlüsselt wird. Laut Whistleblower/Enthüller Edward Snowden, kann sogar die NSA solche mit PGP verschlüsselte E-Mails nicht mitlesen, sicherer geht es nicht!
Patrick hat selbst 5 Neodymium Magnete und 7 RFID Chip Implantate unter der Haut. Bald kommen noch 2 Chips dazu.
Mehr Infos zu unserem Do-It-Yourself-Cyborg Patrick gibt es auch beim mdr, in diesem Beitrag des Wall Street Journals oder den von Patrick bereitgestellten Bildern .

What´s Health ist ein Fan von dir und bedankt sich für dieses spannende Interview. Halt unsere Community bezüglich Sensoren im Gesundheitswesen & Medizin auf dem Laufenden!
ARD Reportage & Dokumentation: Maschinenmenschen – Wenn Technik unter die Haut geht. Patrick erscheint ab Minute 11:15.

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Steffen Nold

Ich brenne für die Digitalisierung im Gesundheitswesen und verfolge die Entwicklung in der Pharmaindustrie, Apothekenmarkt, Krankenhaus und Startup-Szene ganz genau. Hier wird sich in Zukunft einiges tun. Aktuell arbeite ich in einem Pharmaunternehmen und absolviere einen berufsbegleitenden Masterstudiengang.
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